Geschichte

Die Justizvollzugsanstalt Schwalmstadt liegt im ältesten Teil des heutigen Schwalmstädter Stadtteils Ziegenhain, im Bereich der Festung. Sie ist zu einem großen Teil vom "Großen Wallgraben", einem als tiefen Wassergraben angelegten Befestigungsbauwerk, umgeben.

Die Hauptanstalt ist in dem ehemaligen Jagdschloss der Landgrafen von Hessen-Kassel und dem späteren Erweiterungsbau untergebracht. Die ältesten Bauteile stammen aus dem 12. Jahrhundert. Erste Besitzer waren die Grafen von Ziegenhain, deren Geschlecht 1450 ausstarb. Hiernach kam durch Testament die Grafschaft Ziegenhain an den Landgrafen von Hessen-Kassel. Durch den Ausbau Ziegenhains zur Festung im 16. Jahrhundert wurde das Schloss zum Mittelpunkt der Befestigungsanlagen. 1807 wurden sie geschleift. Nachdem 1832 die Garnison aufgehoben worden war, erhielt das Schloss 1842 die Zweckbestimmung eines Zwangsarbeiterhauses für Männer. Die preußische Regierung wandelte nach der Einverleibung des Kurfürstentums Hessen dieses Gebäude 1866 in eine Korrigendenanstalt und 1882 in ein Zuchthaus um. In den Jahren 1926-30 wurde die gesamte Schlossanlage umgebaut. In der Folgezeit wurde sie als Sicherungsverwahrungsanstalt für gefährliche Gewohnheitsverbrecher eingerichtet, während des Zweiten Weltkrieges diente sie wieder zugleich als Zuchthaus. Nach dem Ende des Krieges wurde die Anstalt zunächst von der Besatzungsmacht in Anspruch genommen, im August 1946 wurde sie der hessischen Justizverwaltung übergeben.

Ende 1986 wurde ein Erweiterungsbau nach sechsjähriger Bauzeit in Betrieb genommen. Der Erweiterungsbau gliedert sich in fünf Geschosse einschließlich Keller und ist wie auch die neuen eingeschossigen Werkhallen und die Sporthalle in seiner äußeren Form der Topografie der alten Festungsbastion angepasst. Nach Inbetriebnahme des Erweiterungsbaus erfolgte eine Renovierung des Schlosses.

Der geschlossenen Anstalt mit höchster Sicherheitsstufe ist eine geschlossene Abteilung geringerer Sicherheitsstufe angegliedert, die in einer Entfernung von etwa 200 m im 1579 erbauten Kornhaus eingerichtet ist. Bei diesem Haus handelt es sich um das neuere von ehemals zwei Fruchthäusern. Das ältere der beiden Gebäude wurde im Jahr 1872 abgerissen. Das verbliebene Gebäude wurde ab 1883 als Zuchthaus für Frauen genutzt. Nachdem 1956 die Frauen in eine andere hessische Anstalt verlegt worden waren, wurden im Kornhaus ab 1958 die Sicherungsverwahrten untergebracht. 

Sie befinden sie sich seit 1973 wieder in einer eigenen Abteilung der Hauptanstalt und das Kornhaus wurde hiernach mit der angrenzenden Festungsapotheke über lange Zeit eine Einrichtung des offenen Vollzuges. Dieser beschränkte sich später auf die Festungsapotheke, während das Kornhaus eine Anstalt des geschlossenen Vollzuges geringeren Sicherheitsgrades wurde. Ende 2003 erfolgte eine Verlagerung des offenen Vollzuges, die Festungsapotheke wurde geschlossen.