Kriminalitätsmodell

Das Kriminalitätsmodell basiert auf einem multimodalen Verständnis von Kriminalität.

Es handelt sich um einen pragmatischen, im weitesten Sinne sozialisations- und lerntheoretisch orientierten Erklärungsansatz.

In diesem Kriminalitätsmodell wird insbesondere fünf Bereichen maßgebliche Bedeutung für die Entstehung und Aufrechterhaltung delinquenter Verhaltensweisen zugemessen:

Delinquente Verhaltensweisen verstehen sich nach diesem Kriminalitätsmodell als Ausdruck einer in der Sozialisation erworbenen Verhaltensdisposition. Delinquente Verhaltensbereitschaft hat multifaktorielle Ursachen. Auf der individuellen Ebene der kriminogenen Belastungen besteht eine große Variationsbreite. Dies bedeutet, dass die Verhaltensdisposition erst unter bestimmten psychosozialen Kontextbedingungen zu delinquenten Verhaltensweisen führt.

Das beschriebene Modell trifft grundsätzlich auch auf das kriminelle Verhalten von Sexualstraftätern zu. Sexualität ist zwar eine im Biologischen verankerte Dimension des Erlebens, sie erfährt aber erst im Sozialisationsprozess mittels entsprechenden Lernerfahrungen ihre individuelle Ausformung.

Erklärtes Ziel der Sozialtherapie ist, mittels ausgewählter Behandlungsmethoden und –verfahren die Auftretenswahrscheinlichkeit von delinquenten Verhaltensweisen zu senken.

Sozialtherapie ist ein systematischer Versuch, den Einfluss kriminogener Faktoren zu mindern.

Voraussetzung hierfür ist, dass

  • beim Täter eine Verhaltensdisposition existiert, die kriminogen wirkt.
  • eine Straftat nicht ausschließlich auf situative Faktoren zurückzuführen ist.
  • diese Disposition einen Einfluss auf die zukünftige Auftretenswahrscheinlichkeit von Straftaten hat.
  • die kriminogenen Faktoren mit sozialtherapeutischen Mitteln zu beeinflussen sind.