Geschichte

Zur Geschichte der hiesigen Justizvollzugsanstalt ist im Wesentlichen Folgendes zu bemerken:

Der erste Spatenstich zum Bau der damaligen Anstalt erfolgte am 21. September 1955.
Drei Faktoren begünstigten damals vor allem den geplanten Bau:

  • Es wurde allgemein mehr Haftraum benötigt; dem Fiskus standen jedoch nur begrenzte Mittel zur Verfügung und man war deshalb bestrebt, eine Anstalt so günstig wie möglich zu errichten.
  • Die expandierende Wirtschaft benötigte Arbeitskräfte und war daran interessiert, sich das Reservoir der Gefangenenarbeitskraft zu erhalten bzw. sogar vermehrt zu nutzen.
  • Die für den Vollzug Verantwortlichen sahen eine Chance, den von ihnen propagierten progressiven Strafvollzug durch eine entsprechend ausreichend dimensionierte und entsprechend ausgestattete Einrichtung des gelockerten Vollzuges zu ergänzen.

Zahlreiche Änderungen in den Plänen und Entwürfen waren notwendig, bis im September 1954 die erste amtliche Vorlage der Baupläne durch das Staatsbauamt an das Hessische Justizministerium erfolgen konnte.
Als Gesamtbaukosten für die Anstalt waren vom Staatsbauamt 3.629.376,-- DM veranschlagt worden.

Am 1. Oktober 1958 fand die Verlegung der bis dahin in der Rudolfschule untergebrachten Gefangenen in die neue Anstalt statt, obwohl bis dahin nur das Pfortengebäude, die Werkstätten, das Zu- und Abgangshaus und lediglich das Unterkunftshaus I fertig gestellt waren.

Die bisherige Zweiganstalt der Straf- und Untersuchungshaftanstalt „Rudolfschule“ wurde in „Strafanstalt für Männer, Frankfurt/Preungesheim, Obere Kreuzäckerstraße“ umbenannt.
Die Anstalt verfügte damals nur über geringe Sicherheitsvorkehrungen. Ein einfacher, zwei Meter hoher Maschendrahtzaun grenzte das Anstaltsgelände nach außen ab; zwei ständig besetzte Wachposten waren für die Beobachtung der Zaunabschnitte eingesetzt.

Am 23. November 1959, noch vor der endgültigen Fertigstellung aller Anstaltsgebäude, erfolgte anlässlich des zehnjährigen Todestages von Prof. Gustav Radbruch die Namensgebung der Anstalt.
Für das Gustav-Radbruch-Haus einschneidende bauliche Maßnahmen und Änderungen im gesamten Vollzugsgeschehen der Anstalt erfolgten 1987 und 1988, nachdem das Hessische Justizministerium die Anstalt als Ort der Hauptverhandlung gegen den Flugzeugentführer und mutmaßlichen Mörder Mohamed Hamadi bestimmte.

Da das Verwaltungsgebäude als Unterbringung für zur Sicherung des Prozesses eingesetzte Polizei- und Justizkräfte benötigt wurde, mussten - notgedrungen - die gesamte Anstaltsverwaltung und das Krankenrevier in für Gefangene bestimmte Unterkunftsgebäude verlagert werden.

Der komplette Betrieb der Anstaltsküche wurde in die Justizvollzugsanstalt Frankfurt/M III ausgelagert, ein neues Pfortengebäude zum Zu- und Abgang für Bedienstete sowie Gefangene wurde errichtet, weiter wurde der Maschendrahtzaun der ursprünglichen Außensicherung durch einen stabilen Gitterzaun ersetzt.

Die gesetzlichen Vorgaben einerseits, aber auch jeweils aktuelle Erkenntnisse über die Sozialisation im Justizvollzug und gleichzeitig gestiegene Anforderungen an die instrumentelle Sicherheit aufgrund einer mittelfristigen Änderung der Zweckbestimmung der Justizvollzugsanstalt Frankfurt IV haben das äußere Erscheinungsbild sowie die Organisationsstruktur daher in den letzten Jahren erheblich verändert.

Der Rückgang der Gefangenenzahlen im offenen Bereich sowie der Rückgang der zum Freigang zugelassenen Gefangenen, verbunden mit der Überbelegung der Justizvollzugsanstalten des geschlossenen Vollzuges, verlangten nach neuen Konzepten, die eine zumindest gleichmäßige Auslastung der Haftplätze im hessischen Justizvollzug sicherstellen.

So wurde, neben dem bereits vorhandenen Haus 1 mit 78 Haftplätzen, im Februar 2004 das Haus 5 als weitere Abteilung des geschlossenen Vollzuges, mit 171 Haftplätzen in Betrieb genommen, nachdem umfangreiche Umbau- und Sanierungsmaßnahmen sowie eine vollständige bauliche Abtrennung vom übrigen Anstaltsgelände vorausgegangen waren.

Dieses Haus verfügt über 75 Hafträume mit offenen Haftraumtüren und eine Station (E) mit 19 Haftplätzen und ständig verschlossenen Haftraumtüren.
Am 1. November 2005 wurde auf dem Gelände des Anstaltsgärtnerei ein neuer Arbeitscontainer errichtet, der in Betrieb genommen wurde. Dieser bietet zusammen mit dem Werkbetrieb „Annex“ (ehemaliges Hamadi-Gebäude) insgesamt ca. 50 Arbeitsplätze in „Unternehmerbetrieben“ für Gefangene des geschlossenen Vollzuges zur Verfügung.

Am 22.05.2006 wurde das Containerhafthaus (Haus 6 mit 100 Haftplätzen), in dem Gefangene des offenen Vollzuges untergebracht waren, wegen gravierender Baumängel geschlossen werden und wurde im Jahre 2008/2009 verkauft.
Im August 2007 wurde mit dem Bau eines Kleinsportfeldes begonnen. Das Sportfeld konnte im Oktober 2008 seiner Bestimmung übergeben werden.

Gustav Radebruch, Namensgeber der Justizvollzugsanstalt Frankfurt am Main IV
Gustav Radebruch, Namensgeber der Justizvollzugsanstalt Frankfurt am Main IV